“Als Schauspieler verdient man doch nichts. Mach doch lieber was Richtiges.” Wer kennt diese Sätze nicht? Vor allem in der Coronakrise scheint der Beruf der Schauspielerin bzw. des Schauspielers auf wackligen Beinen zu stehen. Doch stimmt das überhaupt? Welche Möglichkeiten bietet dir eine Schauspielausbildung? Und wie sehen diese Möglichkeiten im Detail überhaupt aus?
Das Theater ist die erste Anlaufstation für alle Schauspielabsolventen. Hier beginnt das berüchtigte Frei-Spielen. Die ersten Jahre im Festengagement sind extrem wichtig, denn die jungen Schauspieler*innen müssen Verantwortung übernehmen. Der geschützte Raum der Schauspielschule ist nicht mehr gegeben und jetzt werden die Absolvent*innen nicht mehr nur von Dozent*innen beurteilt, sondern auch von Publikum und Kritiker*innen. Am Theater spielt man immer live. Das ist nicht nur reizvoll, sondern auch eine große Herausforderung, denn Szenen können nicht einfach wiederholt werden, sollte irgendwas schiefgehen.

Film und Fernsehen. Das ist der Traum von vielen Schauspielanfänger*innen. Der Einstieg ist hier allerdings auch mit einer guten Schauspielausbildung eine besondere Herausforderung. Ohne gute Agentur und vor allem die richtigen Kontakte könnte es durchaus kompliziert werden. Aber unmöglich ist es natürlich auch nicht.
Der Film erfordert eine ganz andere Spielweise als das Theater. Große Mimik und Gesten wirken hier schnell unglaubwürdig. Die Kamera ist oft so nah, dass schon ein Zwinkern eine zu große Bedeutung erhalten kann. Ein Bewusstsein für den eigenen Körper und die Kontrollfähigkeit ist hier also extrem wichtig.
Ein großer Vorteil beim Drehen ist, dass viele Szenen wiederholen werden können. Wenn ihr euren Text einmal versemmelt, könnt ihr einfach von vorne anfangen. Das sollte natürlich auch nicht ständig passieren.
Meistens startet ihr als Tagesrolle, das heißt ihr habt nur ein paar kleine Szenen, welche an einem Tag gedreht werden können. Als Tagesrolle, werdet ihr keine lange Vorbereitung mit dem Ensemble erhalten. Meistens probt man die Szene ein bis zweimal an und klärt dabei die Positionen von Spieler*innen und Kamera. Kurz danach wird auch schon gedreht. Je nachdem wie viele Einstellungen von der Regie gewünscht sind, spielt ihr die Szene dann mehrmals hintereinander.

Ans synchronisieren wird vielleicht nicht direkt gedacht, wenn es um Schauspiel geht. Aber in diesem Bereich steckt enormes Potential. Der Synchronmarkt nimmt durch die vielen Streaming-Dienste im deutschsprachigen Raum enorm zu. Und gute Sprecher, welche echte Gefühle zulassen können sind mehr und mehr gewünscht. Neben dem Synchron-Schauspiel kann man sich auch im Voice-Over, PodCast oder Hörbuch versuchen. Wie in jedem Bereich muss man sich bei einer Bewerbung allerdings echt dahinter klemmen und viel Geduld beweisen.


Auch kleinere Bühnen können begeistern, deshalb wagen sich viele Schauspieler*innen nach ihrer Ausbildung auf die kleineren Bühnen abseits der Stadt und Staatstheater. Dabei gibt es unzählige Möglichkeiten.
Boulevard und Kabarett sind Formen bei denen die Schauspieler*innen ihrem gelernten Handwerk nachgehen können. Der Unterhaltungswert spielt hier eine sehr große Rolle, deshalb wird hier oft auf Humor gesetzt. Das kann richtig Spaß machen, allerdings werden diese Stücke über Wochen, teilweise Monate hinweg, jeden Abend gespielt, an manchen Tagen sogar zweimal direkt hintereinander. Da kann es schon schwierig werden, der Rolle immer ganz gerecht zu werden.
In der Kleinkunst dreht sich so gut wie alles um Musik und Satire. Die ganz großen bringen beides mit einem klugen Chanson unter einen Hut und wissen ihr Publikum zu begeistern. Schon auf der Schauspielschule, werden regelmäßig sogenannte Vorsingen veranstaltet, bei denen man genau das ausprobieren kann.
Sogar Comedy ist mit einer Schauspielausbildung möglich. Ein hervorragendes Beispiel ist der große Max Giermann, der für seine herausragenden Parodien bekannt ist. Er wurde auf der berühmten Schauspielschule „Ernst Busch“ Berlin ausgebildet und gilt als eines der größten Comedy Talente der heutigen Zeit.

Die freie Szene, oft auch Off-Szene genannt bietet euch absolute Freiheit. Ihr könnt eigene Projekte schreiben und entwickeln, selbst Regie führen und das machen, was euch persönlich interessiert. Bühnen fürs Off-Theater gibt es so gut wie in jeder Stadt. Für die freie Szene gibt es oftmals Förderprogramme, welche euch finanziell unterstützen können. Auch Stipendien werden angeboten, um jungen Künstlern Auftrittsmöglichkeiten zu schaffen. Macht euch allerdings bewusst, dass ihr hier die Verantwortung für ganz viele Bereiche übernehmen müsst. Organisation gehört natürlich genauso dazu, wie die künstlerische Gestaltung, technische Umsetzung und besonders wichtig das Marketing.
Vor allem Schauspielschulabsolvent*innen, welche eine eigene künstlerische Sprache und Form suchen, wählen den Weg ins Off-Theater. Hier ist eure individuelle künstlerische Perspektive gefragt.
Für viele Schauspieler*innen ist der reizvollste Punkt ihres Berufs die Vielseitigkeit. In den seltensten Fällen bleiben die Spielenden nur in einem Bereich kleben. Manchen probieren sich überall mal aus, andere studieren irgendwann nochmal Drehbuch, Regie oder ganz was anderes. Das Künstler*innen Dasein kennt eben keinen klaren Fahrplan. Das kann wunderschön, aber auch belastend sein. Es bleibt auf jeden Fall immer lebendig!