Monologe / Moderne (bis 1945) / Männliche Figur
Moderne (bis 1945) · ca. 1890–1945

„Es ist kein Zweifel, es ist kein Zweifel, dass hinter allen Äußerungen dieses Gerichtes, in meinem Fall also hinter der Verhaftung und der heutigen Untersuchung, eine große Organisation sich befindet.“

K.

Der Prozess · Franz Kafka, 1914/15

Männliche FigurSpielalter jung (bis ca. 25)Dramatischca. 7 MinutenVorsprech-Fassung
Fundstelle(diese Textstelle findest du im 2. Kapitel des Romans auch als Erste Untersuchung bekannt. Wir haben sie aber auch etwas zusammengestrichen.)
Dauerca. 7 Minuten

Das Stück

Der Bankprokurist Josef K. wird an seinem dreißigsten Geburtstag verhaftet. Gründe dafür werden ihm nicht genannt und seltsamerweise darf er sich im Alltag weiterhin frei bewegen. Jetzt versucht der junge Mann verzweifelt seine Unschuld zu beweisen. Allerdings irritiert und überfordert ihn das Undurchschaubare und korrupte Beamtensystem. Er verliert sich mehr und mehr in den düsteren Labyrinthen des Gerichtes, das mehr und mehr nach eigenen, unberechenbaren Gesetzen arbeitet. Je mehr der zunehmend paranoide Josef K. kämpft, desto schlimmer verfängt er sich in dem Netz des Systems und verliert schließlich die Kontrolle über sein Leben. Am Vorabend seines 31. Geburtstages wird er von zwei Männern abgeholt und ohne Urteilsbegründung brutal hingerichtet.

Spielflow-Spielanleitung

So spielst du’s

Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise

  • 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt K. zum Sprechen?
  • 2Was will K. in diesem Moment erreichen, und von wem?
  • 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
🔒 Die Antworten sind Teil der Freischaltung, ab 2,99 €

Der Monolog

Vorschau der Vorsprech-Fassung

K. · Der Prozess

Ihre Frage, Herr Untersuchungsrichter, ob ich Zimmermaler bin – vielmehr, Sie haben gar nicht gefragt, sondern es mir auf den Kopf zugesagt -, ist bezeichnend für die ganze Art des Verfahrens, das gegen mich geführt wird. Sie können einwenden, dass es ja überhaupt kein Verfahren ist, Sie haben sehr recht, denn es ist ja nur ein Verfahren, wenn ich es als solches anerkenne. Aber ich erkenne es also für den Augenblick jetzt an, aus Mitleid gewissermaßen.

Was mir geschehen ist, was mir geschehen ist, ist ja nur ein einzelner Fall und als solcher nicht sehr wichtig, da ich es nicht sehr schwer nehme, aber es ist das Zeichen eines Verfahrens, wie es gegen viele geübt wird. Für diese stehe ich hier ein, nicht für mich.

Ich bin vor etwa zehn Tagen verhaftet worden, über die Tatsache der Verhaftung selbst lache ich, aber das gehört jetzt nicht hierher. Ich wurde früh im Bett überfallen, vielleicht hatte man – es ist nach dem, was der Untersuchungsrichter sagte, nicht ausgeschlossen – den Befehl, irgendeinen Zimmermaler, der ebenso unschuldig ist wie ich, zu verhaften, aber man wählte mich.

Gleich dreht K. den Spieß um und klagt das Gericht selbst an.

Ganze Vorsprech-Fassung · ca. 7 Min. Spielzeit · mit Spielanleitung

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Die Epoche: Moderne (bis 1945)

Moderne: Überforderung und Zerfall des Ichs Um die Jahrhundertwende findet ein großer gesellschaftlicher Wandel statt. Die Industrialisierung, der Großstadt-Boom, wissenschaftliche Fortschritte und schließlich der Erste Weltkrieg bringen die altbekannte Welt ins Wanken. Das Individuum entfremdet sich, denn die neue Komplexität in der Welt lässt sich nicht mehr begreifen. Die literarische Moderne (ca. 1890-1930) ist keine einzelne, starre Strömung. Sie ist ein buntes Feld verschiedener Stilrichtungen: Expressionismus: Versucht aufgestaute Emotionen zu …

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