Monologe / Biedermeier / Weibliche Figur
Biedermeier · ca. 1815–1848

„Heirate mich - ich lebe nicht lange.“

Klara

Maria Magdalena · Friedrich Hebbel, 1843

Weibliche FigurSpielalter jung (bis ca. 25)Dramatischca. 5 MinutenVorsprech-Fassung
Fundstelle(3. Akt; 2 Szene - Klara gibt Leonhard den Brief, in welchem er das Eheversprechen zurückzieht, retour.)
Dauerca. 5 Minuten

Das Stück

Klara, die Tochter des frommen Tischlermeisters Anton, ist verlobt mit dem Kassierer Leonhard. Doch zwischen den beiden ist keine Liebe. Leonhard ist eigentlich nur scharf auf die Mitgift. Das hindert ihn aber nicht daran vor Eifersucht zu toben, als der Sekretär Friedrich, Klaras Jugendliebe, zurückkehrt. Leonhard spürt, dass die beiden immer noch Gefühle füreinander haben. Also drängt er Klara dazu, mit ihm zu schlafen und schwängert sie dabei. Gleichzeitig wird Klaras Bruder Karl auf einmal des Diebstahls beschuldigt und verhaftet. Dies erschüttert die gesamte Familie. Die eben gesundete Mutter stirbt vor Schreck und der geschockte Vater ist von seiner bürgerlichen Ehre so besessen, dass er androht, sich das Leben zu nehmen, sollte noch mehr Schande über sein Haus kommen.

Klara ist jetzt in einer Zwickmühle. Die Ehe ist noch nicht geschlossen und ein uneheliches Kind würde den Vater in den Suizid treiben. Sie braucht also das Heiratsversprechen von Leonhard. Dieser hinterlässt der Familie nun einen Brief, in welchem er die Verlobung zurückzieht. Er gibt an, dass die Ehre der Familie Schaden genommen hat und er sich um seine Karriere sorgt, insgeheim hat er erfahren, dass die Mitgift nicht so hoch ist wie er dachte. Die verzweifelte Klara beichtet Friedrich ihre Gefühle und die Schwangerschaft. Der Sekretär hält sofort um ihre Hand an, doch Klara kann nicht Ja sagen. Ihr Pflichtbewusstsein zwingt sie dazu, den Vater ihres Kindes zurückzugewinnen.

Klara stellt sich Leonhard. Der Kassierer ist von Eifersucht zerfressen und eröffnet ihr, dass er bereits eine Hochzeit mit der Tochter des Bürgermeisters anstrebt. Klara steht vor dem Nichts und kündigt zum Schutz des Vaters ihren Selbstmord an. Leonhard will ihr nacheilen, wird allerdings von Friedrich überrascht und zum Duell gefordert. Der Bruder Karl ist zurück aus dem Gefängnis und bittet Klara um ein Glas Wasser. Sie geht zum Brunnen und stürzt sich hinein. Friedrich erschießt Leonhard und kommt verwundet zurück. Karl entdeckt Klara im Brunnen und der Vater endet mit dem berühmten, völlig verständnislosen Schlusssatz: „Ich verstehe die Welt nicht mehr.“

Spielflow-Spielanleitung

So spielst du’s

Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise

  • 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Klara zum Sprechen?
  • 2Was will Klara in diesem Moment erreichen, und von wem?
  • 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
🔒 Die Antworten sind Teil der Freischaltung, ab 2,99 €

Der Monolog

Vorschau der Vorsprech-Fassung

Klara · Maria Magdalena

Guten Abend, Leonhard!

Ich komme, um dir deinen Brief zurückzugeben. Hier ist er! Lies ihn noch einmal! Leonhard!

Leonhard, ich bin die Tochter meines Vaters, und nicht als Schwester eines unschuldig Verklagten, der schon wieder freigesprochen ist, denn das ist mein Bruder, nicht als Mädchen, das vor unverdienter Schande zittert, denn (halblaut) ich zittre noch mehr vor dir, nur als Tochter des alten Mannes, der mir das Leben gegeben hat, stehe ich hier!

Mein Vater schneidet sich die Kehle ab, wenn ich - heirate mich!

Er hat’s geschworen! Heirate mich!

Er hat’s geschworen - heirate mich, nachher bring mich um, ich will dir für das eine noch dankbarer sein, wie für das andere!

Ob ich dich liebe? Antworte dir selbst!

Nein, das kann ich nicht schwören! Aber dies kann ich schwören: Ob ich dich liebe, ob ich dich nicht liebe, nie sollst du’s erfahren! Ich will dir dienen, ich will für dich arbeiten, und zu essen sollst du mir nichts geben, ich will mich selbst ernähren, ich will bei Nachtzeit nähen und spinnen für andere Leute, ich will hungern, wenn ich nichts zu tun habe, ich will lieber in meinen eignen Arm hineinbeißen, als zu meinem Vater gehen, damit er nichts merkt.

Gleich ist Klara bereit alles aufzugeben, um die Hochzeit zu retten.

Ganze Vorsprech-Fassung · ca. 5 Min. Spielzeit · mit Spielanleitung

oder alle 102 Texte für 19,99 €
Einmalzahlung, kein Abo

Die Epoche: Biedermeier

Biedermeier-Theater: Der Rückzug ins Private Nach den Napoleonischen Kriegen wird in Europa die Restauration beschworen: Die Wiederherstellung der Verhältnisse vor der Französischen Revolution. Kulturell ziehen sich die Künstler aus der politischen Öffentlichkeit ins häusliche, bürgerliche Idyll zurück. Diese obrigkeitstreue und auch oft naive Haltung wird im Nachhinein als Biedermeier (ca. 1815-1848) bezeichnet. Unterhaltung statt Aufklärung: Das Theater wird neu belebt. Es werden wieder Hoftheater eingeführt, an welchen der König über …

Alle Monologe dieser Epoche →

Ähnliche Monologe

Die Kunst kennt keine Grenzen: Jede Rolle kann von jedem gespielt werden. Die Angabe zur Figur beschreibt nur die Figur im Stück.

Einmalzahlungab 2,99 €

Lora

Lora

Archivo Narrow