Monologe / Zwischen Klassik und Romantik / Weibliche Figur
Zwischen Klassik und Romantik · um 1800

„Hier steht ein fremdes Anfangszeichen. Hier steht ein J. Ein J?“

Alkmene

Amphitryon · Heinrich von Kleist, 1807

Weibliche FigurSpielalter jung (bis ca. 25)Tragikomischca. 5 MinutenVorsprech-Fassung
Heinrich von Kleist · Bild: nach Peter Friedel (1801), Wikimedia Commons, gemeinfrei
Fundstelle(2. Akt - 4. Szene - Alkmene tritt mit einem Schmuckstück auf. Die Repliken der anwesenden Charis haben wir herausgestrichen.)
Dauerca. 5 Minuten

Das Stück

Thebens Feldherr Amphitryon hat die Athener besiegt. Noch in der Nacht schickt er seinen Diener Sosias los, um seiner Frau Alkmene von dem Triumph in der Schlacht von Pharissa und der Rückkehr seines Herrn zu berichten. Allerdings wird der Bote kurz vor seinem Ziel von einem göttlichen Doppelgänger aufgehalten. Merkur, als Sosias verkleidet, trifft auf den echten Sosias und verprügelt den armen Diener. Ein Ablenkungsmanöver, denn im Haus des Feldherrn hat sich ein weiterer göttlicher Doppelgänger eingeschlichen. Niemand Geringerer als Donnergott Jupiter mogelt sich, als Amphitryon verkleidet, in Alkmenes Schlafzimmer und verbringt eine leidenschaftliche Liebesnacht mit ihr.

Als der echte Amphitryon heimkehrt, empfängt ihn seine Frau anders als erwartet: Keine sehnsuchtsvolle Freude über die Rückkehr ihres Gatten, stattdessen eine alltägliche unbeeindruckte Kühle. Sie geht davon aus, dass er schon die ganze Nacht mit ihr verbracht hat und berichtet ihm davon. Amphitryon ist irritiert, enttäuscht und fühlt sich hintergangen und betrogen. Jupiter, von Eitelkeit getrieben, erscheint erneut vor Alkmene und offenbart ihr, dass der Göttervater höchstpersönlich in dieser Nacht bei ihr lag.

In einem finalen Showdown stehen sich Amphitryon und seine göttliche Kopie gegenüber. Alkmene muss entscheiden, wer der echte Ehemann ist. Sie und alle Feldherren Thebens sind sich sicher: Der echte Amphitryon muss diese selbstbewusst strahlende Version sein und zeigen dabei leider auf den Falschen. Der Echte steht verzweifelt daneben. Jupiter enthüllt schließlich seine wahre Identität und prophezeit die Geburt des Herkules. Amphitryon bedankt sich demütig und Alkmene ist von dem göttlichen Übergriff erschüttert. Das Stück endet mit ihrem berühmten Ausruf “Ach!”, der offenlässt, ob die menschliche Seele die göttliche Willkür jemals verarbeiten kann.

Spielflow-Spielanleitung

So spielst du’s

Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise

  • 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Alkmene zum Sprechen?
  • 2Was will Alkmene in diesem Moment erreichen, und von wem?
  • 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
🔒 Die Antworten sind Teil der Freischaltung, ab 2,99 €

Der Monolog

Vorschau der Vorsprech-Fassung

Alkmene · Amphitryon

Charis!
Was ist mir, Unglücksel’gen, widerfahren?
Was ist geschehn mir, sprich? Sieh dieses Kleinod.
Das Diadem ist es, des Labdakus,
Das teure Prachtgeschenk Amphitryons,
Worauf sein Namenszug gegraben ist.
(Charis sagt, dass kein Namenszug Amphitryons drauf sei.)
Unselige, so bist du sinnberaubt?
Hier stünde nicht, daß mans mit Fingern läse,
Mit großem, goldgegrabnen Zug ein A?
Gewiß nicht. Welch ein Wahn?
Hier steht ein fremdes Anfangszeichen.
Hier steht ein J. Ein J? - Ein J. Man irrt nicht.
Weh mir sodann! Weh mir! Ich bin verloren.
Wie soll ich Worte finden, meine Charis,
Das Unerklärliche dir zu erklären?
Da ich bestürzt mein Zimmer wieder finde,
Nicht wissend, ob ich wache, ob ich träume,
Wenn sich die rasende Behauptung wagt,
Daß mir ein anderer erschienen sei;
Da ich gleichwohl den heißen Schmerz erwäg
Amphitryons, und dies ein letztes Wort,
Er geh den eignen Bruder, denke dir!
Den Bruder wider mich zum Zeugnis aufzurufen;

Gleich entdeckt Alkmene ein Zeichen, das ihre ganze Welt ins Wanken bringt.

Ganze Vorsprech-Fassung · ca. 5 Min. Spielzeit · mit Spielanleitung

oder alle 102 Texte für 19,99 €
Einmalzahlung, kein Abo

Die Epoche: Zwischen Klassik und Romantik

Solitäre - Über die Epochen hinaus Nicht alle großen Dichter um 1800 lassen sich in die Schubladen der Weimarer Klassik oder der Romantik einordnen. Heinrich von Kleist und Friedrich Hölderlin beispielsweise gelten als Solitäre – als Einzelgänger der Literaturgeschichte, die ganz eigene Formen und Wege suchten. Die Kraft der Sprache: Die Texte stellen für die Spielenden große Herausforderungen dar. Kleist baut nahezu endlose Sätze mit immer neuen Nebensätzen, bei denen …

Alle Monologe dieser Epoche →

Ähnliche Monologe

Die Kunst kennt keine Grenzen: Jede Rolle kann von jedem gespielt werden. Die Angabe zur Figur beschreibt nur die Figur im Stück.

Einmalzahlungab 2,99 €

Lora

Lora

Archivo Narrow