Das Stück
Thebens Feldherr Amphitryon hat die Athener besiegt. Noch in der Nacht schickt er seinen Diener Sosias los, um seiner Frau Alkmene von dem Triumph in der Schlacht von Pharissa und der Rückkehr seines Herrn zu berichten. Allerdings wird der Bote kurz vor seinem Ziel von einem göttlichen Doppelgänger aufgehalten. Merkur, als Sosias verkleidet, trifft auf den echten Sosias und verprügelt den armen Diener. Ein Ablenkungsmanöver, denn im Haus des Feldherrn hat sich ein weiterer göttlicher Doppelgänger eingeschlichen. Niemand Geringerer als Donnergott Jupiter mogelt sich, als Amphitryon verkleidet, in Alkmenes Schlafzimmer und verbringt eine leidenschaftliche Liebesnacht mit ihr.
Als der echte Amphitryon heimkehrt, empfängt ihn seine Frau anders als erwartet: Keine sehnsuchtsvolle Freude über die Rückkehr ihres Gatten, stattdessen eine alltägliche unbeeindruckte Kühle. Sie geht davon aus, dass er schon die ganze Nacht mit ihr verbracht hat und berichtet ihm davon. Amphitryon ist irritiert, enttäuscht und fühlt sich hintergangen und betrogen. Jupiter, von Eitelkeit getrieben, erscheint erneut vor Alkmene und offenbart ihr, dass der Göttervater höchstpersönlich in dieser Nacht bei ihr lag.
In einem finalen Showdown stehen sich Amphitryon und seine göttliche Kopie gegenüber. Alkmene muss entscheiden, wer der echte Ehemann ist. Sie und alle Feldherren Thebens sind sich sicher: Der echte Amphitryon muss diese selbstbewusst strahlende Version sein und zeigen dabei leider auf den Falschen. Der Echte steht verzweifelt daneben. Jupiter enthüllt schließlich seine wahre Identität und prophezeit die Geburt des Herkules. Amphitryon bedankt sich demütig und Alkmene ist von dem göttlichen Übergriff erschüttert. Das Stück endet mit ihrem berühmten Ausruf “Ach!”, der offenlässt, ob die menschliche Seele die göttliche Willkür jemals verarbeiten kann.
So spielst du’s
Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise
- 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Alkmene zum Sprechen?
- 2Was will Alkmene in diesem Moment erreichen, und von wem?
- 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
Der Monolog
Vorschau der Vorsprech-Fassung
Charis!
Was ist mir, Unglücksel’gen, widerfahren?
Was ist geschehn mir, sprich? Sieh dieses Kleinod.
Das Diadem ist es, des Labdakus,
Das teure Prachtgeschenk Amphitryons,
Worauf sein Namenszug gegraben ist.
(Charis sagt, dass kein Namenszug Amphitryons drauf sei.)
Unselige, so bist du sinnberaubt?
Hier stünde nicht, daß mans mit Fingern läse,
Mit großem, goldgegrabnen Zug ein A?
Gewiß nicht. Welch ein Wahn?
Hier steht ein fremdes Anfangszeichen.
Hier steht ein J. Ein J? - Ein J. Man irrt nicht.
Weh mir sodann! Weh mir! Ich bin verloren.
Wie soll ich Worte finden, meine Charis,
Das Unerklärliche dir zu erklären?
Da ich bestürzt mein Zimmer wieder finde,
Nicht wissend, ob ich wache, ob ich träume,
Wenn sich die rasende Behauptung wagt,
Daß mir ein anderer erschienen sei;
Da ich gleichwohl den heißen Schmerz erwäg
Amphitryons, und dies ein letztes Wort,
Er geh den eignen Bruder, denke dir!
Den Bruder wider mich zum Zeugnis aufzurufen;
Gleich entdeckt Alkmene ein Zeichen, das ihre ganze Welt ins Wanken bringt.
Ganze Vorsprech-Fassung · ca. 5 Min. Spielzeit · mit Spielanleitung
oder alle 102 Texte für 19,99 €Die Epoche: Zwischen Klassik und Romantik
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Die Kunst kennt keine Grenzen: Jede Rolle kann von jedem gespielt werden. Die Angabe zur Figur beschreibt nur die Figur im Stück.
