Das Stück
Die stolze Prinzessin Turandot herrscht in Peking gleich einer Tyrannin. Sie hat von der Männerwelt die Schnauze voll und weigert sich mit aller Macht zu heiraten. Um ihre Freiheit zu bewahren, hat sie ein grausames Gesetz erwirkt. Ein jeder, der um ihre Hand anhält, muss drei Rätsel lösen. Bei Erfolg wird der Bewerber ihr Gemahl; scheitert er, wird er hingerichtet. Der Vorplatz des Palastes ist bereits mit den Köpfen gescheiterter Prinzen bestickt, denn die Rätsel sind nahezu unlösbar.
Eines Tages erscheint der junge Prinz Kalaf, der untergetaucht ist und inkognito das Land bereist. Die berüchtigte Turandot macht ihn neugierig. Er ignoriert jede Warnung und die Toten auf dem Vorplatz können ihn nicht zurückhalten. Beim Anblick der wunderschönen Prinzessin, ist er wie gefangen und nimmt die tödliche Herausforderung an. Überraschenderweise löst er alle drei Rätsel. Doch Turandot will sich dem Fremden nicht hingeben und sucht verzweifelt einen Ausweg. Kalaf, der nicht aus Zwang, sondern nur aus echter Liebe heiraten will, macht ihr einen Vorschlag: Wenn sie bis zum nächsten Morgen seinen Namen herausfinden kann, ist er bereit, seinen Kopf zu verlieren und sie darf ihre Freiheit behalten.
Es folgt eine Nacht voller Intrigen, in der Turandot versucht, Kalafs Identität mit allen Mitteln zu erpressen. Doch am Ende ist es Kalaf selbst, der ihr seinen Namen verrät und sein Leben in ihre Hände legt. Durch diesen Vertrauensbeweis schmilzt das Eis in Turandots Herz. Sie erkennt seine wahre Liebe an, entsagt ihrem Männerhass und akzeptiert ihn vor dem Kaiser und dem Volk als ihren Ehemann.
So spielst du’s
Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise
- 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Turandot zum Sprechen?
- 2Was will Turandot in diesem Moment erreichen, und von wem?
- 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
Der Monolog
Vorschau der Vorsprech-Fassung
Wer ist’s, der sich aufs neu vermessen schmeichelt,
Nach so viel kläglich warnender Erfahrung,
In meine tiefen Rätsel einzudringen!
Der, seines eignen Lebens Feind, die Zahl
Der Todesopfer zu vermehren kommt!
(sie sieht Kalaf an. Leise und ein wenig zu lange.)
Oh Himmel, wie geschieht mir! Noch keiner trat
Im Divan auf, der dieses Herz zu rühren
Verstanden hätte. Dieser weiß die Kunst.
Prinz! Noch ist’s Zeit. Gebt das verwegene
Beginnen auf! Gebt’s auf! Weicht aus dem Divan.
Der Himmel weiß, daß jene Zungen lügen,
Die mich der Härte zeihn und Grausamkeit.
- Ich bin nicht grausam. Frei nur will ich leben.
Bloß keines andern will ich sein; dies Recht,
Daß auch dem Allerniedrigsten der Menschen
Im Leib der Mutter anerschaffen ist,
Will ich behaupten, eine Kaisertochter.
Ich sehe durch ganz Asien das Weib
Erniedrigt und zum Sklavenjoch verdammt,
Und rächen will ich mein beleidigtes Geschlecht
An diesem stolzen Männervolke, dem
Wird Turandot auch Kalaf überlisten?
Ganze Vorsprech-Fassung · ca. 5 Min. Spielzeit · mit Spielanleitung
oder alle 102 Texte für 19,99 €Die Epoche: Weimarer Klassik
Die Weimarer Klassik: Neue alte Form bändigt Leidenschaft Die Weimarer Klassik (ca. 1786 -1805) ist eine Reaktion auf das emotionale Chaos des Sturm und Drang. Goethe und Schiller, die Meister und Vordenker der Weimarer Klassik, sehnen sich jetzt nach Harmonie, Humanität und Vollendung. Formale Disziplin statt Emotionale Willkür: Das Wahre und Schöne gilt als Ideal und die Klassiker glauben diese in der Antike zu finden. Deshalb führen sie hauptsächlich nach …
Alle Monologe dieser Epoche →Ähnliche Monologe
Die Kunst kennt keine Grenzen: Jede Rolle kann von jedem gespielt werden. Die Angabe zur Figur beschreibt nur die Figur im Stück.
