Monologe / Antike / Männliche Figur
Antike · ca. 6. Jh. v. Chr. bis 5. Jh. n. Chr.

„Denn wiß es wohl, daß nimmer noch an einem Tag von Menschen so zahllose Zahl dem Tod erlag.“

Bote

Die Perser · Aischylos, 472 v. Chr.

Männliche FigurSpielalter mittel (ca. 25–45)Dramatischca. 7 MinutenKlassikerVorsprech-FassungText gratis
Fundstelle(im ersten Viertel - wir haben den Chor und Atossa gestrichen)
Dauerca. 7 Minuten
ÜbersetzungJ. G. Droysen

Das Stück

Die Lage in Persien ist angespannt. Der Ältestenchor ist voller Unruhe, weil König Xerxes seine Armee nach Griechenland geführt hat. Ein Bote bestätigt die Befürchtungen und überbringt die schreckliche Nachricht: Die Armee ist besiegt und die persische Flotte wurde in der Seeschlacht von Salamis vernichtend geschlagen.

Königinmutter Atossa, Witwe von Dareios, ist erschüttert und extrem besorgt. Auf ihre Nachfrage gibt der Chor weitere schreckliche Details der Niederlage bekannt. Nun erscheint auch noch der Geist ihres verstorbenen Mannes Dareios und wirft Xerxes Hochmut, Arroganz und die Missachtung göttlicher Gesetze vor. Er prophezeit weiteres Unglück.

Schließlich kehrt der gedemütigte Xerxes in zerrissenen Kleidern zurück. Er beklagt die Schande, die er über sein Reich gebracht hat und den Verlust seines Heeres. König Xerxes und der Chor beenden das Stück mit einem gemeinsamen Klagelied.

Spielflow-Spielanleitung

So spielst du’s

Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise

  • 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Bote zum Sprechen?
  • 2Was will Bote in diesem Moment erreichen, und von wem?
  • 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
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Der Monolog

Originaltext, gratis lesbar

Bote · Die Perser

Weh euch, ihr Städte aller Lande Asias!
Weh, Perserland, dir, alles Reichtums stolzer Port!
Wie hat hinweg ein Schlag der Schätze Pracht gerafft!
Dahingesunken ist die Blüte Persiens!
Ach! Traurig Amt, der Trauer erster Bote sein!
Und doch, die Not will’s, Perser, daß ich alles Leid
Auffalte; umkam, weh! der Barbaren ganzes Heer!

Und all das Unsre, gar und ganz ist’s nun dahin;
Mir selbst erscheint der Tag der Heimkehr unverhofft!

Und als ein Augenzeuge, nicht auf fremdes Wort
Bericht ich euch, o Perser, was wir duldeten.

Gefüllt mit Leichen elend Umgekommener
Ist Salamis’ Felsstrand, sind die Ufer rings umher.

Da half uns Pfeil und Bogen nichts, das ganze Heer
Kam um, im Angriff seiner Flotten übermannt.

O Salamis, schnöder, allverhaßter Name mir!
Und du, Athen, laut jammr ich, wenn ich dein gedenk!

Xerxes vor allen lebt und schaut der Sonne Licht.

Doch Artembares, der Reutermyriadenfürst,
Er treibt am öden Klippenstrand Silenia.
Den Chiliarchen Dadakes, durchbohrt vom Speer,
Sah ich behend hinstürzen in die dunkle Flut.
Der hochgeborne Baktrerfeldherr Tenagon,
Ihn spült die Brandung auf und ab an Aias’ Strand.
Lilaios und Argestes und Oarsames,
Die drei zerschmettern in des taubennährenden
Eilandes Strömung ihre Stirn am Felsenriff.
Und fern vom Quell des Niles der Ägyptier
Arkteus, Adeues und der schildgewappnete
Pharnuchos, aus demselben Schiffe stürzten sie.
Der Chryser Myriadenführer Matallos,
Der Fürst der drei Myriaden schwarzer Ritterschaft,
Er färbte seinen dichtgelockten, schattigen,
Goldfarbigen Kinnbart mit des Blutes Purpurrot.
Der Mager Arabos und der Baktrer Artames
Liegt dort im rauhen Boden ärmlich eingewohnt,
Dort auch Amistres und Amphistreus, der den Speer
Toddräuend schwang, dort Ariomardos, dessen Tod
Sardes beweinet, dort der Mysier Saisames.
Tharybis, der fünfmalfünfzig Segel Admiral,
Von Geschlecht Lyrnaier, an Gestalt vor allen schön,
Nicht weich gebettet ruhet jetzt des Armen Haupt.
Syennesis auch, der freie Fürst Kilikiens,
An Mut der Erste, der allein schon größte Not
Den Feinden schaffte, rühmlich sank auch der dahin.
Nur diese Feldherrn hab ich dir genannt in Eil;
Es ist des unzählbaren Leides kleinster Teil.

Gewiß der Zahl nach mußten wohl die Flotten der
Barbaren siegen; denn es war hellenischerseits
Die ganze Zahl der Schiffe zehnmal dreißig, und
Ein Geschwader noch von zehn erlesnen außerdem.
Doch Xerxes hatte, wie ich es selbst sah, eine Macht
Von tausend Segeln, drunter wegen Schnelligkeit
Vor allen wert zweihundertsieben. So die Zahl.
Du glaubst bezwungen uns doch nicht in jenem Kampf?
Es hat ein Dämon alles Heer hinweggetilgt,
Der unsre Schale sinken ließ ungleichen Glücks.
Die Götter retten selbst der Göttin Pallas Stadt.

Der Mut des Volkes schützt sie, eine feste Burg.

Denn ein hellenischer Mann vom Athenäervolk
Kam hin und sagte deinem Sohne Xerxes an,
Sobald das Dunkel rings der schwarzen Nacht genaht,
Nicht bleiben würden dann die Hellenen, würden schnell
An Bord versammelt, andre je auf andrem Weg,
In geheimer Flucht erretten ihres Lebens Heil.
Kaum daß er dies vernommen, arglos bei der List
Des fremden Mannes und dem Neid der Ewigen,
Gebeut er seinen Admiralen allzumal,
Sobald der glühnden Sonne zündend Abendlicht
Hinab sich taucht und Dunkel den Hain der Luft erfüllt,
Soll sich das Schiffsgeschwader in drei Zeilen reihn
Und jeden Ausweg hüten, jede Flucht zur See,
Dann andre rings um Aias’ Insel ziehn im Kreis,
Daß, wenn die Griechen ihrem bösen Los entfliehn
Und heimlich Ausgang irgendwo sich noch erspähn,
Es allen dennoch Leib und Leben kostete.
So sprach der König gar zu hochgemuten Sinns;
Was ihm bevorstand von den Göttern, wußt er nicht.
Denn jene, wohl gescharet, gewärtig des Befehls,
Bereiten erst das Mahl sich, und der Rudersmann,
Einbindet er sein Ruder an das Ruderholz.
Als dann der Sonne letzter Strahl erloschen war
Und Nacht heraufstieg, ging ein jeder Ruderer
Und jeder, wer nur Wehr und Waffe trug, an Bord.
Zurufen Schar um Scharen sich von Schiff zu Schiff,
Sie fahren jeder, wo ihm Ort und Fahrt bestimmt;
Die ganze Nacht durch ordnen, durch die Bai verteilt,
Der Schiffe Führer des Geschwaders ganze Macht.
Die Nacht verging, und wahrlich, der Hellenen Heer,
Es hatte nirgend heimliche Flucht sich ausgespürt.
Als drauf mit seines Wagens Lichtgespann der Tag
Die ganze Meerbucht sonnenhell beleuchtete,
Da schallet’ fernher von den Hellenen freudiger
Gesang herüber, und das Kriegslied jauchzt’ zurück
Des felsgen Eilands tausendstimmiger Widerhall.
Furcht überschlich jetzt uns Barbaren allzumal,
Die wir getäuscht uns sahn; denn nicht, um nur zu fliehn,
Erhoben die Hellenen ihren Kriegsgesang;
Sie sangen, sich in den Kampf zu stürzen frohen Muts;
Trompeten flammten schmetternd, allanfeuernd drein,
Und rings mit rauschendem, wechselhastgem Ruderschlag
Ward schäumend die Flut geschlagen nach der Lotsen Ruf.
Und plötzlich waren alle nah vor unserm Blick.
Des Geschwaders Linie führte festgeschlossen an
Der rechte Flügel; nach ihm kam der ganze Zug
Heraufgefahren; rufen hörte man zugleich
Vielfache Stimmen: “Auf, o Hellas’ Söhne, kommt!
Das Vaterland befreit, befreiet Weib und Kind,
Befreit der heimatlichen Götter teuren Sitz,
Der Väter Gräber! Jetzt um alles kämpfen wir!”
Und auch von uns her rauschte laut ein persisches
Geschrei entgegen; nicht zu säumen war es Zeit.
Da schlug mit Krachen Schiff in Schiff den bohrenden
Erzschnabel; anfing ein hellenisch Schiff die Schlacht,
Riß einem Tyrier allen Schmuck vom Steuerbord.
Zwar widerstand anfangs der Perserflotte Wald,
Doch als die Unzahl unsrer Segel in des Meers
Engfahrt sich trieb, war keiner keinem mehr zu Schutz,
Und wechselseitig mit der eisernen Schnäbel Stoß
Zerschlugen, zerschmetterten sie sich der Ruder Doppelreihn.
Der Griechen Schiffe drangen klug berechnet nach,
Sie prallten ringsher gegen uns, jäh stürzten um
Der Schiffe Bäuche, nicht zu sehn mehr war die See,
Mit Wrack und Scheiter und mit Leichen überdeckt,
Bedeckt mit Leichen Klippen und Gestad umher.
In wilder Flucht fortrudernd eilte sich jedes Schiff,
Soviel noch übrig waren vom Barbarenheer.
Doch gleich wie auf Thunfische oder auf ein Volk
Von ziehenden Fischen schlugen, stießen, schleuderten
Sie zerbrochne Ruder und Gebälk; dazu erfüllt’
Die weite See Wehklage rings und Angstgeschrei,
Bis daß dahin sie nahm der dunkle Blick der Nacht. –
Und doch, das Unmaß unsres Leides, spräch ich auch
Zehn ganzer Tage, dennoch nicht erschöpft ich es;
Denn wiß es wohl, daß nimmer noch an einem Tag
Von Menschen so zahllose Zahl dem Tod erlag.

Übersetzung: J. G. Droysen (gemeinfrei)

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