Monologe / Moderne (bis 1945) / Weibliche Figur
Moderne (bis 1945) · ca. 1890–1945

„Es ist die Stunde, unsre Stunde ists, die Stunde, wo sie dich geschlachtet haben“

Elektra

Elektra · Hugo von Hofmannsthal, 1909

Weibliche FigurSpielalter jung (bis ca. 25)Dramatischca. 4 MinutenText gratis
Dauerca. 4 Minuten

Das Stück

Elektra wird nach der Ermordung ihres Vaters durch ihre Mutter Klytämnestra und deren Liebhaber Aegisth von Rachegefühlen und Blutdurst geplagt. Sie beklagt ihr Schicksal im Palast von Mykene und wartet sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Bruders Orest, den sie als Rächer auserkoren hat.

Ihre Schwester Chrysothemis sehnt sich nach einem normalen, friedlichen Leben und versucht Elektra von ihrem Rache Plan abzubringen. Klytämnestra, die von Albträumen heimgesucht wird, sucht bei Elektra Rat, wird aber nur bedroht. Als die Nachricht vom vermeintlichen Tod Orests eintrifft, will Elektra ihren Rachefeldzug alleine durchziehen. Doch dann erscheint der totgeglaubte Orest. Er ermordet Klytämnestra und Aegisth.

Nach der Tat verfällt Elektra in einen Zustand der Ekstase, in wahnsinniger Freude, tanzt sie einen wilden Totentanz. Sie bricht zusammen, der Palast versinkt in Schweigen.

Spielflow-Spielanleitung

So spielst du’s

Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise

  • 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Elektra zum Sprechen?
  • 2Was will Elektra in diesem Moment erreichen, und von wem?
  • 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
🔒 Die Antworten sind Teil der Freischaltung, ab 2,99 €

Der Monolog

Originaltext, gratis lesbar

Elektra · Elektra

Allein! Weh, ganz allein. Der Vater fort,
hinabgescheucht in seine kalten Klüfte…
(Gegen den Boden)
Agamemnon! Agamemnon!
Wo bist du, Vater? hast du nicht die Kraft,
dein Angesicht herauf zu mir zu schleppen?
(Leise)
Es ist die Stunde, unsre Stunde ists,
die Stunde, wo sie dich geschlachtet haben,
dein Weib und der mit ihr in einem Bette,
in deinem königlichen Bette schläft.
Sie schlugen dich im Bade tot, dein Blut
rann über deine Augen, und das Bad
dampfte von deinem Blut. Dann nahm er dich,
der Feige, bei den Schultern, zerrte dich
hinaus aus dem Gemach, den Kopf voraus,
die Beine schleifend hinterher: dein Auge,
das starre, offne, sah herein ins Haus.
So kommst du wieder, setzest Fuß vor Fuß
und stehst auf einmal da, die beiden Augen
weit offen, und ein königlicher Reif
von Purpur ist um deine Stirn, der speist sich
aus des Hauptes offner Wunde.
Agamemnon! Vater!
Ich will dich sehn, laß mich heute nicht allein!
Nur so wie gestern, wie ein Schatten dort
im Mauerwinkel zeig dich deinem Kind!
Vater! Agamemnon! dein Tag wird kommen! Von den Sternen
stürzt alle Zeit herab, so wird das Blut
aus hundert Kehlen stürzen auf dein Grab!
So wie aus umgeworfnen Krügen wird’s
aus den gebundnen Mördern fließen,
und in einem Schwall, in einem
geschwollnen Bach wird ihres Lebens Leben
aus ihnen stürzen
(Mit feierlichem Pathos)
        und wir schlachten dir
die Rosse, die im Hause sind, wir treiben
sie vor dem Grab zusammen, und sie ahnen
den Tod und wiehern in die Todesluft
und sterben. Und wir schlachten dir die Hunde,
die dir die Füße leckten,
die mit dir gejagt, denen du
die Bissen hinwarfst, darum muss ihr Blut
hinab, um dir zu Dienst zu sein, und wir, wir,
dein Blut, dein Sohn Orest und deine Töchter,
wir drei, wenn alles dies vollbracht und
Purpurgezelte aufgerichtet sind, vom Dunst
des Blutes, den die Sonne nach sich zieht,
dann tanzen wir, dein Blut, rings um dein Grab:
(In begeistertem Pathos)
und über Leichen hin werd’ ich das Knie
hochheben Schritt für Schritt, und die mich werden
so tanzen sehn, ja, die meinen Schatten
von weitem nur so werden tanzen sehn,
die werden sagen: einem großen König
wird hier ein großes Prunkfest angestellt
von seinem Fleisch und Blut, und glücklich ist,
wer Kinder hat, die um sein hohes Grab
so königliche Siegestänze tanzen!
Agamemnon! Agamemnon!

Text gemeinfrei

Jetzt fehlt nur noch, wie du ihn spielst.

Spielanleitung: Situation, Ziel der Figur, typische Fallen beim Vorsprechen

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Einmalzahlung, kein Abo

Die Epoche: Moderne (bis 1945)

Moderne: Überforderung und Zerfall des Ichs Um die Jahrhundertwende findet ein großer gesellschaftlicher Wandel statt. Die Industrialisierung, der Großstadt-Boom, wissenschaftliche Fortschritte und schließlich der Erste Weltkrieg bringen die altbekannte Welt ins Wanken. Das Individuum entfremdet sich, denn die neue Komplexität in der Welt lässt sich nicht mehr begreifen. Die literarische Moderne (ca. 1890-1930) ist keine einzelne, starre Strömung. Sie ist ein buntes Feld verschiedener Stilrichtungen: Expressionismus: Versucht aufgestaute Emotionen zu …

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