Das Stück
Die junge Else macht gerade Urlaub in Italien, als sie von einem Express-Brief ihrer Mutter überrascht wird. Der Brief enthält keine guten Nachrichten. Ihrem Vater wird Veruntreuung vorgeworfen und ihm droht das Gefängnis, also braucht die Familie dringend Geld. Die Mutter bittet ihre Tochter den älteren Kunsthändler Dorsday anzupumpen. Nach anfänglicher Scham überwindet sich Else und geht auf Dorsday zu. Der ist bereit ihr ein Darlehen zu geben, allerdings unter einer Bedingung: Er fordert als Gegenleistung die junge Frau eine Viertelstunde nackt sehen zu dürfen. Dies wirft Else völlig aus der Bahn. Sie ist in einer Zwickmühle gefangen, entweder dem Vater helfen und sich verkaufen, oder die Familie im Stich lassen und selbstbestimmt leben. Ihre Gedanken drehen sich immer wieder im Kreis, und während sich herauskristallisiert, dass sie ihrer Familie helfen wird, steht für sie gleichzeitig fest, dass sie danach nicht weiterleben möchte. Doch, um Dorsday nicht alleine gegenüberstehen zu müssen, betritt sie nur mit einem schwarzen Mantel bekleidet den Musiksalon, in welchem sich Dorsday, aber auch andere Gäste befinden. Vor allen Gästen entblößt sie nun ihren Körper und fällt kurz darauf in Ohnmacht. Auf ihrem Zimmer nimmt sie sich mit einer Überdosis Schlafmittel das Leben.
So spielst du’s
Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise
- 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Else zum Sprechen?
- 2Was will Else in diesem Moment erreichen, und von wem?
- 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
Der Monolog
Vorschau der Vorsprech-Fassung
Also ich soll Herrn Dorsday anpumpen … Irrsinnig. Wie stellt sich Mama das vor? Warum hat sich Papa nicht einfach auf die Bahn gesetzt und ist hergefahren? - Wär grad so geschwind gegangen wie der Expressbrief. Aber vielleicht hätten sie ich auf dem Bahnhof wegen Fluchtverdacht - - Furchtbar, furchtbar! Auch mit den 30.000 wird uns ja nicht geholfen sein. Immer diese Geschichten! Seit sieben Jahren. Nein – länger. Wer möcht mir das ansehen? Niemand sieht mir was an, auch dem Papa nicht. Und doch wissen es alle Leute. Rätselhaft, dass wir uns immer noch halten. Wie man alles gewöhnt. Dabei leben wir eigentlich ganz gut. Mama ist wirklich eine Künstlerin. Das Souper am letzten Neujahrstag für 14 Personen – unbegreiflich. Aber dafür meine zwei Paar Ballhandschuhe, die waren eine Affäre. Und wie der Rudi neulich 300 Gulden gebraucht hat, da hat die Mama beinahe geweint. Und der Papa ist dabei immer gut aufgelegt.
Gleich wird Else eine schwerwiegende Entscheidung fällen
Ganze Vorsprech-Fassung · ca. 6 Min. Spielzeit · mit Spielanleitung
oder alle 102 Texte für 19,99 €Die Epoche: Moderne (bis 1945)
Moderne: Überforderung und Zerfall des Ichs Um die Jahrhundertwende findet ein großer gesellschaftlicher Wandel statt. Die Industrialisierung, der Großstadt-Boom, wissenschaftliche Fortschritte und schließlich der Erste Weltkrieg bringen die altbekannte Welt ins Wanken. Das Individuum entfremdet sich, denn die neue Komplexität in der Welt lässt sich nicht mehr begreifen. Die literarische Moderne (ca. 1890-1930) ist keine einzelne, starre Strömung. Sie ist ein buntes Feld verschiedener Stilrichtungen: Expressionismus: Versucht aufgestaute Emotionen zu …
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Die Kunst kennt keine Grenzen: Jede Rolle kann von jedem gespielt werden. Die Angabe zur Figur beschreibt nur die Figur im Stück.