Das Stück
Der arbeitslose Albert ist verzweifelt. Seine Geliebte, die Blumenverkäuferin Irene, hat ihn verlassen, weil er ihr keine finanzielle Sicherheit bieten konnte. Vor dem Blumenladen taucht nun auf einmal eine seltsame und rätselhafte Unbekannte auf und scheint sich heillos in Albert zu verlieben. Sie weicht ihm, wie ein Käthchen von Heilbronn, nicht mehr von der Seite.
Um der finanziellen Not zu entkommen, beschließt Albert, den Uhrmacher aus seiner Straße auszurauben und umzubringen. Die Unbekannte hat alles mitangesehen. Sie ist bereit, dem Geliebten ein Alibi zu schenken, um ihn vor der Polizei zu schützen. Albert kommt so tatsächlich davon. Irene erfährt von der Tat, doch die neue finanzielle Situation überzeugt sie, zu ihrem Albert zurückzukehren; er empfängt sie mit offenen Armen. Zurück bleibt die Unbekannte. Weil ihre bedingungslose Liebe nur ausgenutzt wurde, geht sie kühl ins Wasser der Seine.
So spielst du’s
Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise
- 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Unbekannte zum Sprechen?
- 2Was will Unbekannte in diesem Moment erreichen, und von wem?
- 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
Der Monolog
Vorschau der Vorsprech-Fassung
Verzeihen Sie –
Hab ich Sie erschreckt?
Das sind nämlich so schöne Rosen, aber ich hab kein Geld.
(betrachtet eine Rose:)
– bei uns draußen wächst das überall, besonders ist da so ein schmaler Weg, der etwas ansteigt. Und dann kommt der Friedhof, wo die weißen Blumen blühen. Manchmal sehne ich mich zurück.
Sie sind anscheinend auch fremd hier?
Es ist nicht viel Aussicht vorhanden. Man geht so herum -
Sie haben mir diese Blume geschenkt und das war sehr fein von Ihnen.
Eigentlich wollte ich mir nur eine Semmel kaufen, da drüben, neben den Uhren - und da sagte die Bäckerin: Sie an, dort draußen steht gerade dieser Mensch.
Oh sie hat nur gesagt, diesem Menschen ist alles zuzutrauen, der könnt einen auch umbringen.
Aber dann sagte ich, vielleicht ist dieser Mensch nur ein unglückseliger Charakter und dann sagte sie: möglich. Und dann sagte sie noch man soll überhaupt nicht so rasch den Stab über einen Menschen brechen.
Gleich wird die Unbekannte Albert ein Schauer durch den Körper jagen.
Ganze Vorsprech-Fassung · ca. 7 Min. Spielzeit · mit Spielanleitung
oder alle 102 Texte für 19,99 €Die Epoche: Moderne (bis 1945)
Moderne: Überforderung und Zerfall des Ichs Um die Jahrhundertwende findet ein großer gesellschaftlicher Wandel statt. Die Industrialisierung, der Großstadt-Boom, wissenschaftliche Fortschritte und schließlich der Erste Weltkrieg bringen die altbekannte Welt ins Wanken. Das Individuum entfremdet sich, denn die neue Komplexität in der Welt lässt sich nicht mehr begreifen. Die literarische Moderne (ca. 1890-1930) ist keine einzelne, starre Strömung. Sie ist ein buntes Feld verschiedener Stilrichtungen: Expressionismus: Versucht aufgestaute Emotionen zu …
Alle Monologe dieser Epoche →Ähnliche Monologe
Die Kunst kennt keine Grenzen: Jede Rolle kann von jedem gespielt werden. Die Angabe zur Figur beschreibt nur die Figur im Stück.