Das Stück
In diesem Briefroman beschreibt der Grieche Hyperion seinem deutschen Freund Bellarmin sein Leben. Ende des 18. Jahrhunderts wächst Hyperion in dem von den Osmanen besetzten Griechenland auf. Er befindet sich auf der Suche nach dem Schönen und Göttlichen und glaubt dieses in der Natur und der antiken griechischen Kultur zu finden. Während seiner Sinnsuche trifft er auf zwei Menschen, die einen großen Eindruck bei ihm hinterlassen: Alabanda, ein Freiheitskämpfer, der Hyperion überzeugen möchte, mit ihm für Griechenlands Freiheit zu kämpfen, und seine große Liebe Diotima, die für ihn Reinheit und Schönheit verkörpert.
Als der griechische Befreiungskrieg tatsächlich ausbricht, schließt sich Hyperion begeistert den Rebellen an. Auf die Begeisterung folgt allerdings die harte Realität. Seine Ideale geraten ins Wanken. Statt heldenhafter Soldaten und Freiheitskämpfer sieht er Mörder, Plünderer und Selbstgerechte. Schließlich wird er selbst schwer verwundet. Völlig desillusioniert wendet er sich vom Krieg ab. Alabanda muss fliehen und Diotima erträgt Hyperions Zerrissenheit nicht länger. Sie stirbt im Kummer um ihren Geliebten.
Am Boden zerstört und emotional zerbrochen verlässt Hyperion Griechenland und reist nach Deutschland. Hier erlebt er einen Kulturschock. Der Mangel an Gefühl und der hohe Wert des Nutzens in Deutschland macht ihm seinen Aufenthalt unerträglich. Er kehrt nach Griechenland zurück, genauer gesagt: in die Natur. Als Eremit (Einsiedler) kommt er endlich zur Ruhe und findet seinen inneren Frieden.
So spielst du’s
Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise
- 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Hyperion zum Sprechen?
- 2Was will Hyperion in diesem Moment erreichen, und von wem?
- 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
Der Monolog
Vorschau der Vorsprech-Fassung
So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefasst, noch weniger zu finden. Demütig kam ich, wie der heimatlose blinde Ödipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten - Wie anders ging es mir!
Barbaren von alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tief unfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glück der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes - das waren meine Tröster.
Es ist ein hartes Wort und dennoch sag ichs, weil es Wahrheit ist: Ich kann kein Volk mir denken, das zerrissner wäre, wie die Deutschen. Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen - ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstückelt untereinander liegen, indessen das vergossne Lebensblut im Sande zerrinnt?
Gleich rechnet Hyperion schonungslos mit den Deutschen ab.
Ganze Vorsprech-Fassung · ca. 6 Min. Spielzeit · mit Spielanleitung
oder alle 102 Texte für 19,99 €Die Epoche: Zwischen Klassik und Romantik
Solitäre - Über die Epochen hinaus Nicht alle großen Dichter um 1800 lassen sich in die Schubladen der Weimarer Klassik oder der Romantik einordnen. Heinrich von Kleist und Friedrich Hölderlin beispielsweise gelten als Solitäre – als Einzelgänger der Literaturgeschichte, die ganz eigene Formen und Wege suchten. Die Kraft der Sprache: Die Texte stellen für die Spielenden große Herausforderungen dar. Kleist baut nahezu endlose Sätze mit immer neuen Nebensätzen, bei denen …
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Die Kunst kennt keine Grenzen: Jede Rolle kann von jedem gespielt werden. Die Angabe zur Figur beschreibt nur die Figur im Stück.