Das Stück
Die zwei Herren aus Verona sind die besten Freunde Valentin und Proteus. Letztgenannter ist verliebt in Julia; Erstgenannter reist, vom Fernweh gepackt, nach Mailand. Auf Befehl des Vaters tut es Proteus seinem besten Freund gleich. Zum Abschied tauschen er und Julia Ringe aus.
In Mailand trifft Valentin auf Silvia, die Tochter des Herzogs, die mit einem gewissen Thurio verheiratet werden soll. Valentin verliebt sich auf der Stelle. Proteus trifft ebenfalls auf Silvia, mit dem gleichen Resultat. Ihre Schönheit lässt ihn seine Julia schnell vergessen und bringt ihn sogar dazu, seinen besten Freund zu verraten. Proteus offenbart dem Herzog, dass Valentin mit Silvia durchbrennen möchte. Valentin wird sofort verbannt. In einem Wald trifft er auf eine Gruppe Räuber und lässt sich zu ihrem Anführer ernennen.
Julia ist ebenfalls nach Mailand gereist, allerdings in Verkleidung: alias Sebastian. Unerkannt tritt dieser Sebastian in die Dienste von Proteus und muss miterleben, wie dieser sich erfolglos um die Liebe von Silvia bemüht. Schließlich befiehlt Proteus sogar, dass der geschenkte Ring Julias als Liebesbeweis an Silvia gehen soll.
Im Wald kommt es zum Showdown. Proteus verfolgt Silvia. Silvia wird von den Räubern geschnappt und zu Valentin gebracht. Proteus und “Sebastian” (Julia) eilen hinterher. Als Proteus sogar übergriffig wird und versucht, sich Silvia aufzuzwingen, eskaliert es beinahe. Im letzten Moment geht Valentin dazwischen. Jetzt erwacht Proteus aus seinem Wahn und zeigt plötzlich Reue. Valentin vergibt ihm und schockierenderweise bietet er seinem Freund die schöne Silvia als “Geschenk” an, ohne sie nach ihrer Meinung zu fragen. Der falsche Sebastian fällt in Ohnmacht. Die Objektifizierung von Silvia hat Sebastian (also Julia) so schockiert, dass sie sich mithilfe der Ringe zu erkennen gibt. Proteus’ Liebe für Julia entflammt erneut und er bekräftigt seine ursprünglichen Versprechen. Am Ende begnadigt der Herzog Valentin und die Räuber und stimmt einer doppelten Hochzeit zu: Valentin heiratet Silvia, und Proteus heiratet Julia.
So spielst du’s
Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise
- 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Lanz zum Sprechen?
- 2Was will Lanz in diesem Moment erreichen, und von wem?
- 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
Der Monolog
Originaltext, gratis lesbar
Ne, es wird eine Stunde hingehen eh ich ausgeweint habe; das ganze Geschlecht der Lanze hat diesen Fehler. Ich habe meinen Erbtheil empfangen wie der verlorne Sohn und gehe mit Herrn Proteus an des Kaisers Hof. Ich glaube Krabb, mein Hund, ist der allerunbarmherzigste Hund in der ganzen Welt. Meine Mutter weinte, mein Vater wehklagte, meine Schwester schrie, unsre Magd heulte, unsre Katze rang die Hände und unser ganzes Haus war in der größten Bestürzung, und dieser grausame Köter ließ nicht eine Thräne fallen. Er ist ein Stein, ein wahrer Kieselstein und hat nicht mehr Erbarmen in sich als ein Hund. Selbst meine Großmutter, die keine Augen hat, seht ihr, weinte sich blind bei meinem Abschied.
Nun ich will euch zeigen, wie es dabei hergieng. Dieser Schuh ist mein Vater; nein, dieser linke Schuh ist mein Vater; nein, nein, dieser linke Schuh ist meine Mutter - nein, so kann es auch nicht sein. Ja doch, ja, so ists, seine Sohle ist am schlechtesten. Dieser Schuh, mit dem Loch darin, ist meine Mutter, und dieser ist mein Vater; zum Henker, ja so ists. Jetzt, Herr, ist dieser Stab meine Schwester, denn seht ihr, sie ist so weiß wie eine Lilie und so schlank wie ein Stecken. Dieser Hut ist Anna, unsre Magd und ich bin der Hund. Nein, der Hund ist er selbst, und ich bin der Hund. Ach, der Hund ist ich, und ich bin ich selbst. Ja, so ists. Nun komm ich zu meinem Vater. Vater, euern Segen! Nun kann der Schuh nicht ein Wort sprechen vor Weinen; ich will meinen Vater küssen: er weint immerzu. Jetzt komm ich zu meiner Mutter; wenn der Schuh nur sprechen könnte wie ein sinnlos Weib: Gut, ich küsse sie (küsst den Schuh): ja, recht natürlich: das ist ganz meiner Mutter Athem. Nun komm ich zu meiner Schwester (nimmt den Stock): seht nur wie sie zittert - und bei alledem vergießt der Hund keine Thräne und spricht kein Wort; und ihr seht doch, wie ich den Staub mit meinen Thränen zu Boden schlage.
Übersetzung: Karl Simrock (gemeinfrei)
Jetzt fehlt nur noch, wie du ihn spielst.
Spielanleitung: Situation, Ziel der Figur, typische Fallen beim Vorsprechen
oder alle 102 Texte für 19,99 €Die Epoche: Elisabethanisches Zeitalter (Shakespeare)
Das Elisabethanische Zeitalter Unter Königin Elisabeth I. erlebt England dank wirtschaftlichem Aufschwung und politischer Stabilität ein goldenes Zeitalter für Kunst und Kultur (1558-1603). Aufkeimender Humanismus: Anders als im Mittelalter, in welchem das Leben vor allem durch die Kirche geprägt ist, rückt nun der Mensch in den Mittelpunkt. Der Humanismus weckte ein neues Interesse an der individuellen Psyche, den Emotionen und dem Schicksal des Einzelnen und beflügelt dadurch Kunst und Wissenschaft. …
Alle Monologe dieser Epoche →Ähnliche Monologe
Die Kunst kennt keine Grenzen: Jede Rolle kann von jedem gespielt werden. Die Angabe zur Figur beschreibt nur die Figur im Stück.
