Um ein Drehbuch zu schreiben, entwickelst du zuerst eine Idee und eine klare Geschichte, planst sie in Exposé und Treatment und schreibst sie dann im standardisierten Drehbuchformat aus: mit Szenenüberschriften, Handlung und Dialogen. Ein gutes Drehbuch erzählt visuell, also durch das, was man sieht und hört, nicht durch Gedanken der Figuren.
Gregor Schleuning hat an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch studiert und arbeitet als Schauspieler auf der Bühne und vor der Kamera. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Weg zum Drehbuch: Idee, Logline, Exposé, Treatment, erster Entwurf, Überarbeitung.
- Standard ist die Schriftart Courier in 12 Punkt, als Faustregel entspricht eine Seite etwa einer Filmminute.
- Programme wie Final Draft, DramaQueen oder Celtx übernehmen die Formatierung.
- Schreib nur, was man sehen und hören kann. Gedanken und Erklärungen gehören nicht ins Drehbuch.
Was ist ein Drehbuch?
Ein Drehbuch ist die schriftliche Vorlage für einen Film, eine Serie oder einen Kurzfilm. Es beschreibt Szene für Szene, was passiert und was die Figuren sagen. Regie, Kamera, Ausstattung und Schauspieler arbeiten damit, deshalb muss jeder Leser es schnell verstehen. Kameraeinstellungen gehören in der Regel nicht hinein, sie sind Sache der Regie.
Wie baut man ein Drehbuch auf?
Die meisten Spielfilme folgen der Drei-Akt-Struktur:
- Erster Akt, Exposition: Wir lernen die Hauptfigur und ihre Welt kennen, ein Ereignis wirft sie aus der Bahn.
- Zweiter Akt, Konfrontation: Die Figur verfolgt ihr Ziel, der Antagonist und Hindernisse stellen sich ihr in den Weg, der Konflikt spitzt sich zu.
- Dritter Akt, Auflösung: Höhepunkt und Ende, die Figur hat sich verändert.
Die Dramaturgie lebt von Wendepunkten, den sogenannten Plot Points, und von einem klaren Ziel der Hauptfigur. Für Kurzfilme reicht oft eine einzige Idee mit einem Wendepunkt.
Wie schreibt man ein Drehbuch Schritt für Schritt?
- Idee und Logline: Fass deine Geschichte in einem Satz zusammen: Wer will was, und was steht im Weg?
- Figuren entwickeln: Gib deiner Hauptfigur ein Ziel, eine Schwäche und einen Gegenspieler.
- Exposé: Erzähl die Geschichte auf ein bis drei Seiten in Prosa.
- Treatment: Plane die Handlung Szene für Szene, ohne Dialoge.
- Erster Entwurf: Schreib das Drehbuch im Drehbuchformat durch, ohne zu perfektionieren.
- Überarbeiten: Hol Feedback ein, streiche, schärfe Dialoge und Szenen. Ein Drehbuch entsteht in mehreren Fassungen.
Wie sieht ein Drehbuch aus und wie formatiert man es richtig?
Ein typisches Drehbuch ist nach festen Regeln formatiert. Die Grundelemente:
- Szenenüberschrift: Innen oder außen, Ort und Tageszeit, zum Beispiel „INNEN. KÜCHE – NACHT“.
- Handlung: Kurze Absätze im Präsens, die beschreiben, was man sieht.
- Figurenname: In Großbuchstaben über dem Dialog.
- Dialog: Was die Figur sagt, eingerückt unter dem Namen.
- Regieanweisung: Kurze Hinweise in Klammern, wie etwas gesagt wird, sparsam einsetzen.
- Übergang: Etwa „SCHNITT AUF“, heute meist weggelassen.
Welche Schriftart verwendet man für ein Drehbuch?
Der Standard ist Courier oder Courier New in 12 Punkt. Die Schrift hat feste Zeichenbreiten, deshalb gilt als Faustregel: eine Seite entspricht etwa einer Filmminute. Ein Spielfilm hat so rund 90 bis 120 Seiten. Arial oder Times wirken auf Produktionsfirmen unprofessionell. Versende dein Drehbuch als PDF, damit die Formatierung erhalten bleibt.
Welche Programme eignen sich zum Drehbuchschreiben?
Spezielle Drehbuchprogramme formatieren automatisch und sparen viel Zeit. Verbreitet sind Final Draft als Branchenstandard, DramaQueen aus Deutschland mit Hilfen für Dramaturgie, Celtx und WriterDuet für die Arbeit im Browser. Für den Anfang reicht auch eine Vorlage in einer Textverarbeitung.
Wie entwickelt man starke Figuren und gute Dialoge?
Eine gute Geschichte braucht Figuren, die etwas wollen und dafür etwas riskieren. Dialoge sollten kurz sein und mehr verbergen als aussprechen: Menschen sagen selten direkt, was sie fühlen. Zeig Gefühle durch Handlungen statt durch Erklärungen, das wirkt auf emotionaler Ebene stärker. Lies deine Dialoge laut, am besten mit Schauspielern, so hörst du sofort, was gekünstelt klingt.
Gregors Tipp
„Lies deine Dialoge laut, am besten mit Schauspielern. Was beim Lesen natürlich wirkt, klingt gesprochen oft steif.“
Szenen mit Gregor ausprobierenWas Schauspieler im Drehbuch lesen
Schauspieler lesen ein Drehbuch anders als ein Roman-Leser. Sie suchen das Ziel ihrer Figur in jeder Szene, die Beziehungen zu den anderen Figuren und das, was zwischen den Zeilen steht. Für Autoren heißt das: Gib Figuren klare Absichten und lass Raum für Subtext, dann können Schauspieler damit spielen. Für Schauspieler heißt es: Wer Drehbücher lesen kann, bereitet Castings und Drehtage besser vor. Mehr dazu im Ratgeber Filmschauspieler werden.
Gregors Tipp
„Wenn ich ein Drehbuch bekomme, suche ich zuerst, was meine Figur in jeder Szene will. Steht das nicht im Text, muss ich es selbst herausfinden.“
Szenen mit Gregor erarbeitenKann ChatGPT ein Drehbuch schreiben?
KI-Programme wie ChatGPT können bei Ideen, Gliederungen oder Formatierungsfragen helfen. Ein überzeugendes Drehbuch mit eigener Stimme, originellen Figuren und echtem Subtext ersetzen sie bisher nicht. Prüfe bei Wettbewerben und Förderungen, welche Regeln für KI gelten.
Wie viel Geld bekommt man für ein Drehbuch?
Das hängt stark vom Format, vom Auftraggeber und von der Erfahrung ab. Für Fernsehen und Kino werden Honorare meist frei verhandelt, oft in Raten für Exposé, Treatment und Drehbuchfassungen. Orientierung zu Vergütung und Verträgen bietet der Verband Deutscher Drehbuchautoren.
Wie wird man Drehbuchautor?
Viele Drehbuchautoren studieren an einer Filmhochschule, etwa an der dffb in Berlin, der HFF München, der Filmakademie Baden-Württemberg oder der Filmuniversität Babelsberg. Andere lernen das Handwerk über Workshops, Bücher und vor allem durch Schreiben: Kurzfilme, Wettbewerbe und Zusammenarbeit mit jungen Filmemachern. Drehbücher lesen und Filme anzuschauen gehört dazu. Ein Agent hilft später, Drehbücher zu vermarkten.
[BOX: Workshop]
Fazit
Drehbuch schreiben ist Handwerk: Eine klare Idee, eine durchdachte Struktur und das richtige Format bilden die Grundlage. Schreib den ersten Entwurf zügig, überarbeite ihn mehrfach und hol dir Feedback, auch von Schauspielern.



