Monologe / Weimarer Klassik / Weibliche Figur
Weimarer Klassik · ca. 1786–1805

„Schonet den Gatten! Hier bin ich, und stelle Zum Opfer mich dar.“

Alceste

Alceste · Christoph Martin Wieland, 1773

Weibliche FigurSpielalter jung (bis ca. 25)Dramatischca. 4 MinutenKlassikerVorsprech-FassungText gratis
Fundstelle(1. Akt - Alceste erwartet ihre Schwester Parthenia. Wir haben sie hier rausgestrichen)
Dauerca. 4 Minuten

Das Stück

König Admet liegt im Sterben und sein Reich Pherai trauert. Doch es gibt Hoffnung: Das Orakel verkündet, dass der König gerettet werden kann, wenn sich eine andere Seele bereit erklärt, freiwillig für ihn in den Tod zu gehen. Doch Freunde und Familie, inklusive der Eltern, die schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben, zögern. Sie alle hängen zu sehr am Leben. Nur eine trifft stillschweigend die selbstlose Entscheidung: Alceste. Sie ist bereit sich für den unwissenden Admet aus reiner, grenzenloser Liebe zu opfern.

Admet kehrt tatsächlich ins Leben zurück, doch die Freude währt nur kurz. Als er erfährt, dass seine Genesung mit dem Leben seiner geliebten Frau erkauft wurde, stürzt ihn das in tiefe Verzweiflung. Er verflucht seine eigene Rettung; sein Leben sei ohne sie wertlos und deshalb will er Alceste in den Tod folgen. Das „Unglückshaus“ versinkt in Melancholie und Hoffnungslosigkeit.

In dieser düsteren Atmosphäre erscheint Herkules, ein alter Freund des Hauses. Als er von dem tragischen Opfer erfährt, beschließt er, gegen das Schicksal selbst zu kämpfen. Er steigt hinab in die Unterwelt (den Hades), ringt dem Tod die Königin ab und führt die verschleierte Alceste zurück zu ihrem Mann. Das Stück endet mit einem triumphalen Moment der Menschlichkeit und dem Sieg der Liebe über das Schicksal.

Übrigens:

Es handelt sich bei diesem Text ursprünglich um ein Singspiel. Deshalb unterscheidet es sich in seiner Form ein wenig von den Sprechtheater Texten von Goethe und Schiller: Wieland nutzt zwar bereits den Blankvers, allerdings nicht durchgehend und wenn dann wesentlich freier als später in der Hochklassik üblich wurde.

Spielflow-Spielanleitung

So spielst du’s

Situation, Ziel der Figur und Spielhinweise

  • 1Was ist direkt vor dem Monolog passiert, und was bringt Alceste zum Sprechen?
  • 2Was will Alceste in diesem Moment erreichen, und von wem?
  • 3Wo liegen die typischen Fallen, wenn man diese Rolle vorspricht?
🔒 Die Antworten sind Teil der Freischaltung, ab 2,99 €

Der Monolog

Originaltext, gratis lesbar

Alceste · Alceste

Er ist gekommen,
Der Bote, der die Antwort mir des Gottes
Von Delphi bringt. Ich wagt es nicht
Ihn anzuhören, ach! – ich wagt es nicht
Die Augen zu ihm aufzuheben.
An seinen Lippen hängt
Dein Schicksal, mein Admet! – das Schicksal deiner Gattin!
O gute Götter, habt ihr jemals

Der frommen Liebe Flehn euch rühren lassen,
So hört mich, Götter! rettet, rettet ihn!
Wo nicht, so lasset mich mit ihm erblassen!

Zwischen Angst und zwischen Hoffen

Schwankt mein Leben, wie im Rachen

Der empörten Flut ein Nachen

Ängstlich zwischen Klippen treibt.

Der Donner rollt, die Winde brausen,

Die aufgewühlten Wogen kochen;

Rings um mich her ist Nacht und Grausen!

Dies Herz, ein Herz das nichts verbrochen,

Ist alles was mir übrig bleibt!

(Parthenia tritt auf. Sie überbringt die Botschaft des Orakels)

Parthenia! - Gott!

Wie blaß ist ihre Wange!

Sie bebt! - O Schwester, laß mich nicht

In dieser Ungewißheit! Hat Apollo

Mein Urteil ausgesprochen? Rede, rede!

Bringst du mir Leben oder Tod?

Was sagst du? Muß er sterben?

Ihr Götter!

(Parthenia berichtet, dass es Hoffnung gibt: Wenn jemand sich entschließt Für Ihn sich hinzugeben)

Parthenia, sprichst du wahr?

Und zweifelst du, ob jemand ist

Der sich entschließe für Admet zu sterben?

O Schwester, welch ein Mittel ihn zu retten!

Wer wird die Liebe, wer die Großmut bis

Zu diesem Grad der Höhe treiben?

Doch, klage nicht, Parthenia! - Mein Admet

Wird leben! Lebt in diesem Augenblick

Schon wieder auf! - Er ist gefunden,

Das Opfer, das für ihn der Parzen Zorn versöhnt.

Ihr Götter der Hölle,

Ihr furchtbaren Schatten,

O! Schonet den Gatten!

Hier bin ich, und stelle

Zum Opfer mich dar.

(Knieend)

Euch weih ich mein Leben!

(Sie erhebt sich wieder.)

Sie habens vernommen!

Sie kommen, sie kommen!

Ich höre das Schweben

Der schwarzen Gefieder.

Sie steigen hernieder!

Sie holen das Opfer

Zum Todesaltar…

Es ist unwiderruflich!

Vergebens marterst du mein leidend Herz:

Laß ab, Parthenia! Nur zu sehr empfind ich

Der Trennung Qual. - O meine Kinder -

O mein Gemahl! - O meine Schwester! - Bald,

Bald werden diese halb erloschnen Augen

Nicht mehr voll Liebe sich

An eurem Anblick weiden!

Die Parze ruft! Wir müssen - ach

Wir müssen scheiden!

Geschehn! Sie haben mich erhört!

Der Tod erwartet gierig seine Beute.

Schon fühl ich seine Hand - Wie kalt sie ist!

Ein banges Schaudern läuft durch meine Adern.

Parthenia, lege deine Hand auf diesen Arm

Und fühle -

Ja, ich sterbe,

Und mich gereuet mein Gelübde nicht.

Du lebst, Admet! - Wie leicht, wie süß ists der

Die nur für dich gelebt, für dich zu sterben!

(Parthenia rennt ab und sucht Rettung)

Wohin, wohin Parthenia? Höre mich! -

Sie ist entflohn! Unglückliche,

Dein Eifer ist umsonst!

Kein Mittel, keine Wunderkraft der Kunst,

Kann einen Tag zu meinem Leben setzen.

Ich bin den Todesgöttern heilig,

Ich sterbe! - Dieses bange, langsam durch

Mein Innerstes hinkriechende

Noch nie gefühlte Schaudern,

Es ist der Tod! -

(Sie sinkt in einen Lehnstuhl)

Parthenia! - Admet! - Wo seid ihr?

O du, meine zweites beßres Ich,

Wo bist du? Kannst du, kannst du mich

In diesem letzten Kampf verlassen?

Ich sterb, ein Opfer meiner Pflicht,

Du lebst, Admet, und eilest nicht

Alcestens Seele aufzufassen?

Text gemeinfrei

Jetzt fehlt nur noch, wie du ihn spielst.

Spielanleitung: Situation, Ziel der Figur, typische Fallen beim Vorsprechen

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